Ein zweites Schloss in Koerich

Das an der Oberfläche gänzlich verschwundene Burghaus der Fock von Hübingen, Sitz einer zweiten Koericher Ritterfamilie, lag auf einem nach Süden sanft ansteigenden Gelände, etwa 200m westlich des Greiweschlass.

feraris

Auf der Landkarte von J.J. von Ferraris um ca. 1775 erkennt man das Gréiweschlass- Cha sowie das Fockeschlass- als Ruine
Zu Anfang gab es neben der Herrschaft Koerich eine zweite Herrschaft mit Namen „Schillbach“ oder „Schillwet“. Sie nannte sich nach dem Bachlauf, der durch den Schlossbering führte. Anfang des 15. Jahrhunderts heiratete Elisabeth, eine der Nachkommen der Herren von Schillbach, Jakob Fock von Hübingen, und die Herrschaft erhielt den Namen der Fock. 1593 ging diese durch Heirat in den Besitz der Familie von Nassau, einer Seitenlinie der Nassau von Vianden, über. Nachdem die Herrschaft in den Besitz zweier Brüder, Ritter von Saint-Baussant, gekommen war, vermachte Charles, einer der beiden, sie am 23. Juli 6 Der Kamin im Kapellenturm (2019) höhe gelegene Barockkirche. Wendet sich der Besucher nach rechts, so gelangt er zum eckigen Südwestturm. Im Erdgeschoss des Turms befand sich die dem hl. Michael geweihte Kapelle. Zwar sind die Decken nicht mehr vorhanden, doch die Sockel, in welche die gotischen Strebebögen eingelassen waren, sind noch immer zu sehen. Im ersten Stock befand sich der Wachsaal. Von seiner ursprünglichen Pracht zeugen heute nur noch der stattliche Kamin aus dem Jahr 1585, die großen Fenster sowie einige Bauelemente der Militärarchitektur. Tritt der Besucher aus der Kapelle heraus, so steht er direkt vor dem imposanten Burgfried, der nach den Restaurierungsarbeiten wieder über eine Metalltreppe zugänglich ist. An der Südseite ist noch der alte Eingang zum Burgfried zu erkennen, der nur über eine Leiter erreichbar war. Der bemerkenswerte Boden der beiden Höfe besteht aus dem Originalpflaster, das lange Zeit unter einer schützenden Erdschicht verborgen lag. 1722 seinem Neffen Charles Christophe von Reiffenberg. Durch Urkunde vom 3. Juni 1738 verkaufte der Herr von Reiffenberg die Fock’sche Herrschaft mit den gesamten zugehörigen Gütern an den Freiherrn und künftigen Grafen Lambert Joseph von Marchant und Ansemburg. Heute erinnern nur noch Reste des Fundaments, die bisweilen bei Ausgrabungen gefunden wurden, an das Fock’sche Schloss in Koerich. Die Stätte behielt den Namen „Fockegaart“ (Fock’scher Garten), und eine angrenzende Strasse trägt den Namen rue Fockeschlass.

Blick vom vom Fockegaard auf KoerichBlick vom Fockegaart auf Koerich

Die Bezeichnung „Fockeschloss“ kam erst gegen Mitte des 15. Jahrhunderts auf, als Jacob „Vock von Hübingen in das lange vorher bestehende Haus einheiratete . Ab 1593, wird das Gebäude auch „ Nassauer Schloss“ genannt, nachdem Ludwig von Nassau, Spross einer Nebenlinie der Viandener Grafen ebenfalls einheiratete .

Beschreibung des « Fockeschlos & Zugehor » am 29.April 1765.

( AEL Arlon, Koerich, dossier 92; Transkription von René Klein)

( Auszug:  Ergeschoss):“….. ist Fokenschloss gelegen im dorf Koerich auf einem berg schelentrisch genannt, welches schloss die Sonn des morgens, mittags und des abens mit iren stralen schir allezeit erleichtern kann….

Das mauerwerk an gemeltem foken schlos ist dem scheinach noch gutt und starck zum meisten theil ist jedoch verwüstet, das getafel aber der versehener sind meistens unten in vielen örten schlecht, in etlicher örter zerissen, in etlichen wegen dem regen wasser verwüst und verdorben. es befindet sich auch sehr wenig finster, woran zwar unterschiedlich dhüren aber mit rigelen und schlösser schlecht für jetzt versehen, belangendt das dachwerck ist auch schier gantz in schlechten standt und hat das fokenschlos einer grosen reparation vonnöten…………

Beschreibung vom Fockeschlass von Robert Krantz und Norbert Quintus

Die Lage.-   -Das heute an der Oberfläche gänzlich verschwundene Burghaus der Fock von Hübingen, Sitz der zweiten Koericher Ritterfamilie, lag auf einem nach Süden sanft ansteigenden Gelände, etwa 200m westlich der Grewenburg. Noch heute trägt das Wiesengelände den Namen „Fockegarten“

Der Name  - Die Bezeichnung „Fockeschloss“ kam erst gegen Mitte des 15. Jahrhunderts auf, als Jacob „Vock von Hübingen in das lange vorher bestehende Haus einheiratete . Ab 1593, wird das Gebäude auch „ Nassauer Schloss“ genannt, nachdem Ludwig von Nassau, Spross einer Nebenlinie der Viandener Grafen ebenfalls einheiratete

Ein militärischer guter Standort?

Wenn man in Koerich die verschiedenen Standortmöglichkeiten einer mittelalterlichen Burg untersucht, kommen nur 3 Lösungen in Frage:

a) der Kirchenhügel: er überragt das ganze Dorf, bietet eine gute Fernsicht, diese ideale Lage wurde nicht benutzt

b) der Ausläufer der „Schockenacht“ ( schellentriesch), es handelt sich hier um eine Spornlage, die immerhin einige Meter höher liegt als die Talsohle, hier wurde dann tatsächlich das „ Fockenschloss“ errichtet und zwar an einer vielleicht schon vorher bebauten Stelle.  Dieser Standort war immer noch besser als

c) die Tallage des Grevenschlosses, die von allen Seiten leicht eingesehen und aus nächster Nähe beschossen werden konnte. Dies könnte darauf hindeuten, dass das „Fockeschloss“ etwas früher entstanden ist, als die Grevenburg.

Die Besitzer: die „ Focken“, eine weitverzweigte Familie.

Ausgedehnter Streubesitz verschiedener Linien dieser Familie  ist feststellbar in folgenden Ortschaften: Bereldingen, Reckingen/Mersch, Echternach,Heisdorf,Fels, Heffingen und Esch-Alzette. Dies zeigt darauf hin, dass die Besitzer der beiden Burgen einander zumindest ebenbürtig waren. Ursprung, Konkurrenzdenken, Heiratspolitik, Bauvorhaben bestätigen dies Ansicht.

Beschreibung des « Fockeschlos & Zugehor » am 29.April 1765.

( Auszug:  Ergeschoss):“….. ist Fokenschloss gelegen im dorf Koerich auf einem berg schelentrisch genannt, welches schloss die Sonn des morgens, mittags und des abens mit iren stralen schir allezeit erleichtern kann…. beym eingang (1) ist…. linker hand ein zweifaches gemach, deren örstes ein küchen (3) so sieben schuh  (lamberti Schuh = 29,50 cm) breit und zwölf und einen halben lang, wo in ein ziemlich grossen und ziemlich gutter backoffen (4), so sich ein hinden daran gelegenes dunkeles gemach (5) sich ersträcket, die stub hinten daran (6) ist fünfzehn schuhe lang und zwölf breit, die stub und backhaus haben zusammen zwey finsterlöcher ohne finsteren, wie auch ohne thür, ist auch ein tacken loch ohne tack seynd beide unten und oben ohne dühle, nächst oben gemelter küchen oder backhaus thür zur rechten hand ist die schlos dhür annoch mit einem rigel versehen, und ist eine dhür sechs und einen halben schühe hoch drey und einen halben  breit, unter welchem verwölb fünff  thüren deren eine in das gemach , in welches sich der backoffen erstreckt, wie oben glt, zweyte führet in die mehlzimmer (7) so sieben schühe breit, zehn und einen halben lang und zehn hoch, ist noch mit einer thür versehen, dritte ist vier stiegent erhöhet, führet zu den trappen (8) durch welche man zu den obersten zimmeren steigt. fünffte ist auch, drey stieget erhöhet, und führt in die schlosküchen, (9) welche küchen ist vier und zwanzig schühe lang vierzehn breit älf und einen halben hoch wo ein schöner unten von haustein schornstein (10) , und feyermantel mit vier steinernen steilen gestelzet auf welchem etliche waffen (wappen) eingehauen, zwey hölzernen schlachte schiff, ein kriebanck, ein tack so vier schuhe hoch und fünf breit , ein kreutzfensterloch mit eyseren troiligen versehen, ein petz (11a) ein wasserstein (11b), oben dem scheinach noch ziemlich gut getafelt und unten geplattet, obenhin vier balcken. -In gemelter küchen rechter hand geht man in eine ringsherum gemahlten Saal (12), so zwanzig vier schuhe lang, sechzehn breit und zwölf hoch, dessen boden zwar von dielen aber viel verfaulet, oben vier balcken mit trewen und mittelmässigen dielen ziemlich gut getafelt,hat auch drey kreutz fünsterlächer mit eysenen troilgen wohl versehen. Item lincker hands in der küchen, kommet man in die stube (13), so zwanzig vier schuhe lang, dreyzehn und einhalben breit, zwölf hoch, hat einen tackenschaf nur mit einer dhür versehen, und ein ander schaf mit einer daran hangender pannelen dhür, hat zwey  kreutz finsteren löcher mit eisen troilgen versehen, und ein feuermantel unten von haustein, ist unten mit ziemlich guten dielen belaget, oben vier balcken so mit trewen und mitteldielen passierlich getaffelt. In der stube zur rechten hand ist eine dhür wohin man durch ein verfallenes zimmer (14) in den gart gehen kann, ferners rechter hand in der stub nüchst der tack ist eine dhur für durch zehn stiegen in den köller zu steigen (15).  –Item in der stube zur lincken hand ist ein feuer zimmer (16) so fünfzehn schuhe lang und zwölf einen halben breit, hat ein kreutz finster loch mit eysenen troilgen versehen, ein unten von haustein schornstein wo unten ein tackenloch, der boden unten zerissen oben vier balcken mit dielen überlegt, welche diele irwendich dem Schein nach noch verfaulet.- Item ist noch in gemelter zimmer ein alter schaf mit einer  panelen dhür, und in gemelter feyerzimmer lincker hand ist noch eine panelen dhür, so zu schon oben gemeltem verwölb ausführet.- Item hinten ahn vorstehender und vorgemelter feyer zimmer ist annoch eine vierzehn schuhe lang und elff breite stube, so oben gut verwölbt (17), unterste boden aber zerbrochen, hat platz für ein tackenschaf, ein doppeltes finster loch versus meridiem mit eisenen troilgen versehen. In welcher stub lincker hands eine dhür in schon obengemelter mehlzimmer geth. ( Daneben steht der Kerkerturm , der 22 Schuh  im Innern misst (18).-Nota bene das schir alle gemacher auf dem boden seyen zwölf schuhe hoch und alle dhüren sechs hoch und drey breit, vorbehalten die vorderste schlos dhür (1) wovun schon oben gemeldet. Die finster löcher seynd schier alle sex schuhe hoch und fünf breit…….

(Folgt die Beschreibung der beiden oberen Stockwerke, des Kellers, Turmes & der Dependenzien).-

Das mauerwerk an gemeltem foken schlos ist dem scheinach noch gutt und starck zum meisten theil ist jedoch verwüstet, das getafel aber der versehener sind meistens unten in vielen örten schlecht, in etlicher örter zerissen, in etlichen wegen dem regen wasser verwüst und verdorben. es befindet sich auch sehr wenig finster, woran zwar unterschiedlich dhüren aber mit rigelen und schlösser schlecht für jetzt versehen, belangendt das dachwerck ist auch schier gantz in schlechten standt und hat das fokenschlos einer grosen reparation vonnöten…………

( AEL Arlon, Koerich, dossier 92; Transkription von René Klein)

* Die in Klammer stehenden Zahlen beziehen sich auf den  Grundriss.

Als Pdf dieOriginal Beschreibung des Fockeschlass von Robert Krantz und Norbert Quintus (aus den Untersuchungen über die zwei Burgen zu Koerich)

 

 

 

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