Das Koericher Schloss, eingebettet in dem kleinen Tal des Goeblingerbaches, ist eine typische Tiefenburg. Mit dem beeindruckenden Wehrturm, den Außenmauern im fast perfekten Viereck, bildet es zusammen mit der Barockkirche und dem Dorfkern von Koerich eine bemerkenswerte Einheit.

Nach neuesten Erkenntnissen basierend auf den rezenten Ausgrabungsarbeiten im Schlossareal war es Godfrid II, Herr von Koerich, von Bertringen und oberster Ritterrichter der Grafschaft Luxemburg, der um 1338 die erste Wasserburg in Koerich erbauen ließ.

Der quadratische bis in 10 m Höhe erhaltene massive Wohnturm an der Ostseite der Burg gehörte bereits zu dieser ersten Anlage. Im Volksmund "Hexenturm" genannt, ist er wie auch die Außenmauern im spätromanischen Stil. Mit einem Grundriss von 12 x 11,6 m und einer Mauerdicke von 3 bis 3,5 m gehört der Burgfried, dessen Originalhöhe auf einst 25 bis 30 m geschätzt wurde, zu den mächtigsten Schlosstürmen der Region. Erhalten ist eine steingemauerte Rundtreppe im oberen Turmabschnitt.

Die 15 m breiten Gräben der Wasserburg, die das gesamte Burgareal umschlossen, speiste der Goeblingerbach.

Um 1481 erfolgte unter Schiltz II von Elter ein erster Umbau des herrschaftlichen Bereiches der Burganlage in gotischem Stil. Im Zuge dieser Arbeiten wurde das lange rechteckige Palas-Gebäude errichtet. Ende des 16. Jahrhunderts unternahm der neue Besitzer Jacques II de Raville beträchtliche Umbauarbeiten im Renaissance-Stil. Unter seiner Anleitung entstand ein feudaler Herrensitz mit repräsentativen Schlossbauten: dem Palas, dem großen Treppenhaus, der Kapelle sowie den zwei rechtwinkligen Türmen in der Südfassade. Heute besteht nur noch der Süd-West-Turm. Im Erdgeschoss befindet sich die dem Heiligen Michel geweihte Kapelle, die ihm die Bezeichnung "Kapellenturm" einbrachte. Im ersten Stockwerk war die Kammer der  Wachmannschaft.

Von dem einstigen Prunk zeugen heute nur noch der tattliche Kamin des ersten Stockwerkes aus dem Jahre 1585 sowie die großen Fensteröffnungen. Auch sind noch verschiedene militärischarchitektonische Bauelemente erhalten. Um 1728 wurde der meridionale Flügel nochmals umgebaut und zwar im Barockstil.

Den Beinamen Grafenschloss (Gréiveschlass) verdankt das Koericher Schloss dem Freiherr Lambert-Joseph von Marchant und Ansemburg, Herr zu Körich, welcher am 1. Oktober 1749 durch die Kaiserin Maria- Theresia in den Grafenstand erhoben wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts verließen die Burgherren das zum Teil schon baufällige Schloss, das aber weiterhin bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Bauernhof genutzt wurde. Mangels Unterhaltsarbeiten wurde das Schloss schließlich unbewohnbar. Der letzte private Besitzer, Pierre Flammang, unternahm ab 1950 verschiedene bauliche Sicherungsarbeiten um dem Verfall Einhalt zu gebieten.

Die Schlossruine, die sich im Besitz des luxemburgischen Staates befindet, wird zur Zeit größeren Instandsetzungsarbeiten unterzogen und soll ab 2015 wieder zugänglich sein und für kulturelle Zwecke zur Verfügung stehen.

Rundgang durchs Gréiveschlass

das Gréiveschlass und die Schlösser von Bourscheid und Brandenburg aus der Vogelperspektive

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